Altern in Würde oder ist sparen wirklich blöd?

Als ich heute Morgen in Köln Zollstock auf dem Weg ins Büro an einer Ampel stand, sah ich einen älteren Mann, der im Mülleimer nach Pfandflaschen suchte. Der Mann war normal gekleidet und durchaus gepflegt – also offensichtlich kein Obdachloser. Mich hat dieses Bild sehr berührt und ich frage mich, was die Hintergründe sind? Warum tut er das? Sicher nicht zum Zeitvertreib, sondern vermutlich, weil er knapp bei Kasse ist. Dabei ist die aktuelle Rentnergeneration doch eigentlich die, die seit dem zweiten Weltkrieg am besten versorgt ist. Was ist da schief gelaufen? Altern in Würde stelle ich mir anders vor.

Ich bin da eher sicherheitsorientiert und investiere einiges in meine private Altersvorsorge, um genau so eine Situation zu verhindern. Zumal es ja kein Geheimnis mehr ist, dass die gesetzliche Rente für die jetzt Berufstätigen nicht ausreichen wird, um den gewohnten Lebensstandard zu halten. Die Renten werden wahrscheinlich sogar sinken. Denn die Altersstruktur der deutschen Bevölkerung verändert sich immer stärker: immer weniger Berufstätige stehen immer mehr Rentnern gegenüber. Da muss man kein Mathematikgenie sein, um zu ahnen, dass der Generationenvertrag irgendwann nicht mehr funktionieren kann.

Ist sparen eigentlich blöd?

Aber manchmal frage ich mich, ob ich eigentlich blöd bin und das Geld lieber ausgeben sollte? Denn das tun aktuell immerhin ein Drittel der Deutschen, wie eine aktuelle Studie, die das Meinungsforschungsinstitut GfK gerade im Auftrag der Gothaer durchgeführt hat, zeigte. 30,4 Prozent der Befragten gaben an, dass sie ihr Geld aktuell lieber ausgeben, statt zu sparen oder für das Alter vorzusorgen. Angesichts der niedrigen Zinsen, die Sparbuch oder Tagesgeld im Moment bieten und der ewigen Debatte um Lebensversicherungen & Co. scheint das auf den ersten Blick ja vielleicht auch verständlich.

Das Leben jetzt genießen

Viele Menschen denken offensichtlich, dass sich das Sparen eh nicht lohnt und genießen das Leben lieber jetzt – Urlaub, Klamotten oder ein neues Handy machen ja auch deutlich mehr Spaß. Da kommt man sich schon spießig oder blöd vor, wenn man stattdessen sein Geld anlegt, um für das Alter oder Notfälle vorzusorgen. Aber ist das wirklich so blöd?

Nicht nur eine Typfrage

Das ist sicher auch eine Typfrage, der eine lebt vielleicht eher in den Tag hinein und denkt nicht groß an morgen oder was mal in 30 oder 40 Jahren sein wird. Der andere ist vielleicht mehr auf Sicherheit bedacht und findet den Gedanken beruhigend, dass er im Alter finanziell nichts zu befürchten hat.

Der Staat wird’s schon richten?

Aber mal ehrlich: Was passiert denn, wenn all die Leute, die ihr Geld heute lieber ausgeben, mal in Rente gehen? Altersarmut ist ein hässliches Wort, aber das ist dann eine sehr reale Bedrohung. Viele verlassen sich ja gerne auf den Staat und denken, dass es schon irgendwie gut gehen wird. Und ich meine damit nicht diejenigen, die kein Geld für eine private Vorsorge haben.

Aber wer ist denn der Staat? Das sind doch wir alle und wir alle werden dann über Steuern und sonstige Abgaben für genau die aufkommen müssen, die nicht vorgesorgt haben. Fair finde ich das nicht. Aber die Steuerzahler werden eben auch immer weniger und damit auch die Einnahmen des Staates. Und schon sind wir wieder beim Thema Pfandflaschen sammeln …

Links zum Thema:

Wie der demografische Wandel Deutschland verändert
Alltag eines Flaschensammlers
Die Formel gegen Altersarmut


[Bildquelle oben: Foto by ✈ amade_a ✈ (Creative Commons-Lizenz/Flickr/Foto cropped slightly)]
By | 2016-10-17T12:01:39+00:00 9. Oktober 2014|Categories: Blog, Meinung|Tags: , , , , , |

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