Der Versuch mit dem Elektroauto – nur die Versicherung ist einfach

Da war ich schon ein wenig neugierig. Elektro-Fahrräder gehören schon zum Alltag. Elektro-Motorräder gibt es, kann man sich aber kaum vorstellen. Elektro-Roller schon eher. Jetzt kommen die Elektroautos. Jeder namhafte Hersteller stellt inzwischen ein Modell vor, aber man sieht kaum eins auf den Straßen. Immerhin – im September 2013 wurden 532 Elektroautos neu zugelassen. Ganz vorne übrigens der Smart mit 142 Zulassungen.

Einzigartig, entspannend und teuer in der Anschaffung

Das Elektroauto ist seit langem wieder eine richtige Neuerung im Automobilbau. Das macht neugierig. Lohnt sich der Umstieg? Macht es Spaß? Fehlt der Sound? Also ab zum Händler, ich wollte unbedingt mal so ein Gefährt Probe fahren. Die einzigen äußerlichen Unterschiede zum Benziner oder Diesel sind meist blaue oder grüne Buchstaben, ein „e“ oder ein „i“ – wenn überhaupt – hinter der Modellbezeichnung. Auf den ersten Blick erkennt man das Elektroauto am Preisschild. Da schluckt der Umweltfan erstmal heftigst. Nun gut, die Probefahrt war davon ja nicht betroffen. Einsteigen, alles blinkt, man drückt einen Knopf und bekommt ganz andere Infos, als man die sonst von Autos gewohnt ist – etwa über den Ladestatus des Akkus oder die Restzeit. Start, losfahren – man hört nichts. Wow – man spürt nur Schub, hört ein leichtes Pfeifen. In der Stadt kommt sofort der haben-wollen-Faktor ins Spiel. Aber da sind noch die Kosten und die Batterie und das Laden. Billiger in der Anschaffung wird’s, wenn man den Akku mietet – aber dann zahlt man auch, wenn man nicht fährt. So relativiert sich der Verbrauchskostenvorteil wieder deutlich.

Betriebskosten – nur auf den ersten Blick niedrig, Versicherung unkompliziert

Dann ist da noch das Thema Reichweite. Smart verspricht 135 Kilometer. Im Test der Zeit schaffte der Wagen 100 Kilometer, im Winter oder bei zügiger Fahrweise ermittelten die Tester 75 Kilometer. Auch wenn viele Stromverbraucher wie Radio, Heizung, Licht oder Gebläse eingeschaltet sind, reduziert sich die Laufleistung. Geladen wir der Akku in acht Stunden. Da kommt man schnell ins Grübeln. Besuche ich meine Eltern im Ruhrgebiet, das sind von Köln aus 100 Kilometer, schaffe ich die Hinfahrt so gerade. Das Radio kann ja aus bleiben, die Heizung auch, spart alles Strom. Dann sieben Stunden laden, bevor man wieder zurück kann? Für den Stadtverkehr mag das gehen, als Zweitwagen allerdings sehr unpraktisch und letztlich zu teuer. Die Verbrauchskosten sind auf den ersten Blick, niedrig. 15,1 kwH pro 100 Kilometer. Das macht etwa drei Euro aus im Ecostromtarif der RWE. Doch berücksichtigt man alle Kosten, auch die für den Akku, ist der Diesel-Smart etwa zwei Drittel günstiger als der Elektro-Smart (siehe diese Studie).

Die Versicherung von Elektroautos ist unkompliziert. Bei der Gothaer werden Elektroautos wie „normale“ Autos über die gängige Typklasseneinstufung abgebildet. Auch der Akku ist mitversichert. Bleibt man mit leerem Akku liegen, hilft der Schutzbrief – wie beim Benziner auch. Also Thema Versicherung – abgehakt.

Plakat zum Electric Car

Trotzdem – unter den Umständen lohnt sich für mich das Elektroauto nicht, so toll es auch fährt und so niedrig die reinen Verbrauchskosten sind. Etwas Hoffnung macht der Tesla aus dem kalifornischen Palo Alto. 400 Kilometer Reichweite und eine Ladezeit von vier Stunden (an entsprechenden Ladestationen) verspricht der Hersteller. Soweit so gut. Nur gibt es in Europa ganze sechs entsprechende Ladestationen. Und gerade ist eine Tesla Batterie komplett ausgebrannt. Ich glaube, ich bleibe erst einmal beim Benziner-Fiat.

Links zum Thema:

Testbericht Die Zeit

Testbericht Die Welt

Testbericht Auto Motor Sport

Smart

Tesla

Studie Kosten

Von | 2016-10-17T12:01:47+00:00 12. November 2013|Kategorien: Blog|

3 Kommentare

  1. Rene 12. November 2013 um 20:08 Uhr- Antworten

    Da fragt man sich echt, warum so etwas überhaupt angeboten wird. Das ist doch völlig unpraktikabel. Vielleicht funktioniert die Elektrotechnik ja garnicht, warum geht man nicht auf Wasserstoff? Will das die Industrie gemeinsam mit den Ölkonzernen vielleicht garnicht? Ein Schelm, wer Böses dabei denkt….

  2. Karla 14. November 2013 um 17:21 Uhr- Antworten

    Interessanter Beitrag. Ich hab einen e-Smart, weil ich einfach überzeugt bin, dass man mal anfangen muss. Ansonsten habt Ihr es gut dargestellt, für mich reichte aber. Die Versicherung war etwas kompliziert bei mir, wusste kein Mensch Bescheid. Das nächste mal vielleicht bei Gothaer:-)

    • Klemens Surmann
      Klemens Surmann 15. November 2013 um 9:40 Uhr- Antworten

      Hallo Karla, das würde uns freuen:-)

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