Fastenzeit und Gesundheitssünden – Ihr seid nicht allein!

Die Fastenzeit hat angefangen und ruft dem ein oder anderem die Vorsätze für das neue Jahr wieder ins Gedächtnis. Keine Süßigkeiten, kein Alkohol, was nimmt man sich nicht alles vor. Laut einer aktuellen Umfrage wollen dieses Jahr fast 60 Prozent der Deutschen fasten.

Nur zwei Prozent „sündenfrei“
Doch wie das eben so ist mit den guten Vorsätzen. Der Plan ist gut, doch die Umsetzung nicht immer einfach. Die Gummibärchen-Schale, die im Büro steht, das „eine“ Bier am Wochenende. Das Meinungsforschungsinstitut forsa hat im Auftrag der Gothaer Versicherung bei den Deutschen einmal nachgefragt: Welche kleinen Sünden durchkreuzten im Laufe des vergangenen Jahres die wohlgemeinten Absichten? Dabei konnten lediglich acht Prozent der Interviewten keine Sünden für sich verbuchen. Der Rest nimmt es mit den Vorsätzen öfter nicht ganz so genau: 61 Prozent der Befragten geben an, dass sie sich in diesem Jahr zu wenig bewegt beziehungsweise zu wenig Sport getrieben haben. Vor allem bei den 18 bis 29–Jährigen outen sich 67 Prozent als Bewegungsmuffel.

Auch bei der Ernährung liegen die Unter-30-Jährigen vorne: 46 Prozent denken, zu wenig Obst und Gemüse gegessen zu haben. Insgesamt geben 54 Prozent an, zu viel Süßes oder Fettiges gegessen zu haben. Hier liegen die Unter-30-Jährigen mit 46 Prozent ebenfalls vorne. Die ganze Studie gibt es hier.

Biber beim Fasten erlaubt
Man sieht, Vorsätze nicht komplett einzuhalten, ist quasi ein Volkssport. Schon im 15. Jahrhundert schuf die Kirche selbst einige Lücken in den damals strengen Fastenregeln: Um während der Fastenzeit nicht komplett auf Fleisch verzichten zu müssen, erklärte das Konstanzer Konzil kurzerhand Biber zu Fischen – die nämlich waren während der Fastenzeit erlaubt. Weil sich Biber ja hauptsächlich im Wasser aufhalten und der schuppige platte Schwanz an einen Fischschwanz erinnert, stand dem Biberbraten daher nichts mehr im Wege.

Ein Stück Kuchen keine Katastrophe
Aber egal ob beim Fasten, den Neujahrsvorsätzen oder einfach so: Mit guten Vorsätzen und den fast immer folgenden kleinen Sünden ist man nie allein. Wichtig ist dabei aber: Auch wenn es mal etwas hapert, weitermachen! Wer bei einem kleinen Ausrutscher das „Projekt“ gleich cancelt, gibt zu früh auf. Auf langen Durst- (oder in diesem Fall auch Hunger-) strecken sind Rückschläge zu erwarten. Doch solche Vorfälle sind nicht gleich Rückfälle und kein Grund für eine „Ist mir ab jetzt egal“-Haltung. Besser ist es, sich schon vorher einen Plan B zurechtzulegen. Was mache ich, wenn ich meine Pläne nicht so durchhalten kann, wie ich das möchte? Dabei sollte man sich klarmachen, dass kleine Ausrutscher kein Zeichen von Schwäche sind, sondern dass das Gehirn einfach etwa 60 Tage benötigt, bis es Verhalten umgelernt hat. Gegen Ende der Fastenzeit hat man dann wahrscheinlich gar nicht mehr so großen Heißhunger auf Zucker und Co. Ebenfalls hilfreich sind Belohnungen. Wer in mehreren Situationen standhaft geblieben ist, kann sich beispielsweise ein schönes Kleidungsstück, einen entspannten Abend für sich oder einen Erlebnistag mit dem Partner gönnen. Auch (gesundes) aber hochwertiges und leckeres Essen in einem schönen Restaurant ist eine gute Möglichkeit das Belohnungszentrum im Gehirn anzusprechen.

Selbstkontrolle leer – Verzichten schwer
Denn wer immer verzichtet, dem wird jeder Verzicht zunehmend schwerer fallen. Das Prinzip der sogenannten „ego depletion“ („Erschöpfung des Selbst“) stammt aus der Sozialpsychologie und besagt, dass jeder Mensch nur ein bestimmtes Maß an Selbstkontrolle hat. Wenn dieses durch vorhergehende Entscheidungsfindungen oder selbstauferlegte Restriktionen erschöpft ist, beeinträchtigt das die Willenskraft des Menschen und die Selbstkontrolle wird zunehmend schwerer. Ein Faktor ist angeblich auch ein niedriger Glukose-Spiegel. Ein wenig kann man die Selbstkontrolle auch mit kleinen Gedächtnisübungen trainieren, doch auch unser Gehirn ist ein Muskel und seine Fähigkeiten endlich…

Darauf erst mal einen Schokoriegel.

Links:
7 Wochen Fasten
Gothaer Studie zu Gesundheitssünden
Ego depletion
Übungen zur Selbstkontrolle
Wissenschaftlicher Artikel zu Selbstkontrolle und Ego depletion

Von | 2017-01-02T12:54:45+00:00 1. März 2016|Kategorien: Ernährung, issdichgesund, Lies dich gesund, Psychologie|Tags: , , , , |

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