Frauenfußball – erst verboten dann gefeiert

Mitttlerweile ist diese Sportart akzeptiert – mehr als eine Millionen Frauen spielen heute in ihren Vereinen leidenschaftlich Fußball. Die Damen stehen den Herren in nichts mehr nach, gerade fand in Köln das Pokalendspiel der Frauen statt, mit einem großen Fest und der Pokalübergabe durch den Bundespräsidenten war man durchaus auf Augenhöhe mit den männlichen Zeitgenossen. Das war vor gar nicht so langer Zeit noch ganz anders, 1955 wurde Frauenfußball sogar offiziell vom Deutschen Fußball Bund (DFB) verboten.

 

Reporter: „Man decken nicht Tisch decken“
„Decken, decken! Nicht Tisch decken! Richtig, Mann decken!“ – so kommentierte der Sportmodertor Wim Thoelke noch 1970 die Zusammenfassung eines Spiels der Deutschen Frauenfußball-Nationalmannschaft. Was heute einen Sturm der Gender-Entrüstung ausgelöst hätte, war zu damaligen Zeiten völlig normal. Immerhin gab es in den 70er Jahren den Frauen-Fußball schon, noch 1955 hatte der DFB auf seinem Bundestag ein Verbot ausgesprochen. Es galt als nicht schicklich, „dass die Mädchen da mit einem wackeligen Busen übers Feld liefen und dann auch noch gegen den Ball traten oder sich gegenseitig foulten“, wie es damals bei den Fußballfunktionären hieß. Die offizielle Begründung lautete:  „Im Kampf um den Ball verschwindet die weibliche Anmut, Körper und Seele erleiden unweigerlich Schaden und das Zurschaustellen des Körpers verletzt Schicklichkeit und Anstand.“

Video: Wim Thoelke kommentiert Damenfußball

Quelle: ZDF-Sport/YouTube

Wissenschaft: Fußball als „Demonstration der Männlichkeit“
Man stützte das Verbot sogar auf eine wissenschaftliche Studie. Der niederländische Anthropologe  Frederik Jacobus Johannes Buytendijk schrieb 1953 in seiner psychologischen Studie über das Fußballspiel, das Spiel sei „wesentlich eine Demonstration der Männlichkeit.“ Erst am 31.10.1970 hob der DFB das Verbot offiziell auf, nachdem einige Frauenmannschaften das Verbot einfach ignoriert hatten. Der erste Frauenfußballverein, der DDFV Frankfurt,  wurde übrigens 1930 gegründet, von 1933 bis 1945 war der Frauenfußball in Deutschland zu Zeiten der Nationalsozialisten schon einmal verboten.

Sportliche Erfolge und breite Akzeptanz
In den 80er und 90er Jahren schaffte der Frauenfußball in Deutschland den großen Durchbruch. 1988 qualifizierte sich die deutsche Nationalmannschaft erstmals für die Europameisterschaft, 1989 wurde das Turnier in Deutschland ausgetragen mit der ersten Live-Übertragung eines Frauenfußballspiels im Fernsehen. Durch einen 4:1 Sieg gegen Norwegen wurden die Deutschen Europameister. Danach gab der DFB grünes Licht für die Gründung einer Frauenfußball-Bundesliga. Zum Start waren 20 Mannschaften dabei. Deutscher Meister wurden zuletzt die Frauen des FC Bayern München, davor holten der 1. FFC Frankfurt und der 1.FFC Turbine Potsdam viele Meisterschaften. Im DFB-Pokal feierte aktuell der VFL Wolfsburg  mit einem 2:1-Sieg gegen den SC Sand seinen dritten Pokalsieg in Folge.

Versicherungen für den Profifußball
Übrigens sind auch Versicherungen für den Fußball existenziell. Von Sach-, Leben-, Kranken-, Invaliditäts- und Rechtsschutzpolicen bis hin zu Ausfalldeckungen ist das ganze Programm gefragt. Diese kommen zum Tragen, wenn ein Sportereignis abgesagt oder abgebrochen werden muss, was ansonsten einen Millionenschaden verursachen und Vereine in ihrer Existentz gefährden würde. Auch wenn ein für teures Geld eingekaufter Spieler ausfällt, springt eine entsprechende Versicherung ein – und das alles natürlich im Herren- und Damenfußball.

Links:
Dissertation zum Verbot des Frauenfußballs
Wie der DFB 1955 ein Verbot aussprach
Die kuriose Geschichte des Frauenfußballs
Versicherungen machen Fußball kalkulierbarer

Foto: Stephan Roehl/flickr/http://bit.ly/1XMso79/https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/

Von | 2016-05-24T12:20:33+00:00 31. Mai 2016|Kategorien: Allgemein, Sport, Versicherung|Tags: , |

Ein Kommentar

  1. Conny Harms 31. Mai 2016 um 8:46 Uhr- Antworten

    Unglaublich, was vor relativ kurzer Zeit in Deutschland möglich war. Und der gute Thoelke….wirklich ein klasse Blogeintrag. Macht weiter so!

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