Stadt oder Land – wo will ich leben?

Die Deutschen flüchten vor dem Land – das ist zumindest das Ergebnis einer Studie der Bertelsmann-Stiftung. Doch fühlt man sich in der Stadt wirklich wohler? Stau, Enge, Chaos und Mietwucher gegen Ruhe, Natur, Landluft und bezahlbares Wohnen – ist das wirklich so? Da kommen schnell Gegenargumente wie „tote Hose“, keine ärztliche Versorgung oder keine öffentlichen Verkehrsmittel auf – wo fühlt man sich denn wirklich wohler?

Die Statistik ist eindeutig – die Stadt gewinnt

Man stellt sich diese Frage schon mal selber. Gerade wenn man im Stau steht, keinen Parkplatz findet oder die monatliche Abbuchung für die Miete sieht – muss das wirklich sein? Viele stört das wohl nicht – die Statistik spricht eindeutig gegen das Land, die Abstimmung mit den Füßen haben die Städte längst für sich entschieden. In einigen ländliche Regionen wie Hoyerswerda (Kreis Bautzen), Bitterfeld-Wolfen (Kreis Anhalt-Bitterfeld), Gräfenhainichen (Kreis Wittenberg) oder Roßleben (Kyffhäuserkreis) werden demnach in 2030 gut 26 Prozent weniger Menschen als 2012 wohnen. Das geht aus der von der Bertelsmann-Stiftung veröffentlichten Bevölkerungsprognose hervor. Gleichzeitig wird Großstädten und einigen attraktiven Landkreisen wie Feldkirchen (beide Kreis München), Ilvesheim (Rhein-Neckar-Kreis) und Teltow (Kreis Potsdam-Mittelmark) ein Bevölkerungswachstum von bis zu 25 Prozent prognostiziert – und das bei gleichzeitig schrumpfender Gesamtbevölkerung. Soweit die Statistik.

Gesundheit und Ruhe – vieles spricht für das Land

Individuell kann das alles schon ganz anders aussehen. Interessant ist dazu eine Umfrage des Immobilienportals Immonet. Dort wurde gefragt „Warum möchten Sie auf dem Land leben?“ 35,53 Prozent zieht es vor allem wegen der Ruhe in weniger dicht besiedelte Gebiete. Ein guter Grund, wie eine jüngst im Fachmagazin Nature veröffentlichte Studie von deutschen und kanadischen Forschern ergab, denn die urbane Hektik hat Folgen für die Gesundheit. In einem Experiment zeigte sich im Hirn von Stadtbewohnern eine deutlich stärkere Reaktion auf Stress als bei Landmenschen. 26,78 Prozent der Befragten lauschen übrigens lieber Vogelgezwitscher als Motorenlärm und nennen die Liebe zur Natur als Grund für den Umzug aufs Land. Auch betriebswirtschaftliche Gründe wurden angegeben: 28,89 Prozent der Befragten schätzen die niedrigen Mieten auf dem Land. Die oft beschworenen sozialen Bindungen nach dem Motto „jeder kennt jeden“ spielten hier keine Rolle.

Jobs, Kultur und Offenheit – das lieben die Städter

Gefragt wurde auch, was Städte denn besonders attraktiv macht. Zunächst einmal fällt auf, dass zumeist jüngere Leute die Stadt bevorzugen, während die älteren Semester eher Richtung Land ziehen. Für fast 37 Prozent der Befragten war die bessere Infrastruktur in den Städten ein entscheidendes Argument, für 25 Prozent war das bessere Jobangebot entscheidend. Fast 17 Prozent schätzend das bessere Kultur- und Freizeitangebot in den Städten, immerhin 21 Prozent setzen auf eine größere Offenheit in der Stadt.

„Wo möchte ich leben?“

Die Frage „Wo möchte ich leben?“ lässt sich nur schwer generell beantworten, zu viele gegensätzliche Argumente sprechen für die Stadt oder das Land. Für den Einzelnen ist es eine Bauchentscheidung, irgendetwas wird man immer vermissen. Man muss erst einmal die eigenen Bedürfnisse herausfinden. Es ist bestimmt mal ganz spannend, aufzuschreiben, was man denn nutzt und was man vermisst in der eigenen Wohnsituation. Dann kommt natürlich noch die Frage auf, ob man einen radikalen Wechsel Richtung Stadt oder Land, dazu noch mit Partner oder Familie, durchziehen kann oder auch will. Vielleicht ist eine Mittelstadt ja ein guter Kompromiss. Aber will man wirklich einen Kompromiss?

Links zum Thema:

Studie der Bertelsmann-Stiftung zur Landflucht
Immonet-Umfrage Stadt oder Land
Studie zur Gesundheit des Landlebens
Studie Fachmagazin nature zur Hirnforschung: Land gesünder als Stadt
Durchgerechnet – Stadt oder Land

Foto: Janusz Smolarek/flickr/https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/

Von | 2015-11-13T10:55:28+00:00 13. Oktober 2015|Kategorien: Blog|Tags: , , , , |

4 Kommentare

  1. Bernhard 13. Oktober 2015 um 17:41 Uhr- Antworten

    spannender Beitrag, ich reiß auch nicht wirklich,w as besser ist. auf dem land brauchst du tja jede menge autos, vor allem, wenn du noch arbeitest. danach brauchst du Ärzte. gibts die da? schöner ist es allemal, ruft, Tiere, Natur, weite. interessanter Beitrag – weiter so!

  2. Rene 15. Oktober 2015 um 9:20 Uhr- Antworten

    Man muss hier heutzutage auch den Aspekt Internet betrachten. Da, wo kein Netz ist wird keiner wohnen wollen. Das Land hinkt hier deutlich hinterher.

  3. Klemens Surmann
    Klemens Surmann 15. Oktober 2015 um 9:33 Uhr- Antworten

    Danke für den Hinweis, das ist für viele wohl wirklich ein entscheidender Grund, in der Stadt zu bleiben oder dorthin zu ziehen.

  4. Sabine 4. November 2015 um 18:25 Uhr- Antworten

    Ich lebe auf dem Land und war da eigentlich immer sehr glücklich: Möglichkeit für freilaufende Kinder, Platz für Garten und Terrasse, viel Gegend und wenig Mensch beim Spaziergang. Aber inzwischen ist meine Zufriedenheit doch etwas getrübt: Beim Einkaufen fahre ich in drei Richtungen (Metzger 2km rechts, Bioladen 15 km links, Supermarkt 2km geradeaus..) und beim Pendeln in die Stadt stehe ich im Stau. Und ja, das ist auch fast lebenswichtig: Wir haben KEIN DSL, mühen uns mit LTE ab und sind ständig an der Volumengrenze. Insgesamt muss das Land einfach attraktiver werden, mehr Nahversorgung bieten und sich um Bandbreite kümmern. Dann ist es dort einfach wunderbar…

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