Kann man den Job lieben?

Nein – das ist die klare Antwort von PR-Guru und Bestseller-Autor Frank Behrendt. Und damit hat er gleich einen Bestseller in den Amazon-Charts gelandet. „Liebe dein Leben nicht deinen Job“ ist der Titel seines Buches. Das hat so neugierig gemacht, ich habe mich mit dem Frank Behrendt zum Gespräch getroffen und einiges ‚fürs Leben‘ gelernt.  

Gelassenheit ist  angesagt

Weniger Hektik, mehr Gelassenheit und sich selber nicht so ernst nehmen – dann hat man schon das Wesentliche kapiert. „Gelassenheit ist das Ergebnis von brutaler Konsequenz und vom Neinsagen.“ Frank Behrendt erzählt aus seinem eigenen Leben: „Um halb 7 ist bei mir das Abendessen mit den Kindern angesagt. Setzt jemand dann ein Meeting an, sage ich nein, das geht auch alles am nächsten Morgen.“ Schnell sind wir dann auch beim Thema Burnout. „Die meisten Burnouts kommen durch Machtspielchen von Vorgesetzten zustande. Das ist pure Seelenfolter, was da abgeht.“ Muss man sich das gefallen lassen? „Die stärkste Waffe des Angestellten ist die Kündigung. Da reiße ich lieber Kinokarten ab und hab meinen Seelenfrieden, als mich von solchen Leuten zerstören zu lassen.“

Er hat sehr einfache, aber auch klare Lösungen parat. „Warum soll man sich mit Problemen belasten? Es gibt keine Probleme, es gibt nur Lösungen.“ Über die Hektik und Aggressivität der Leute im täglichen Miteinander, besonders im Straßenverkehr, kann er nur den Kopf schütteln. „Da kannst du doch eh nichts dran machen, warum regst du dich dann auf?“

Mit Downsizing zu einem entspannten Leben

Frank Behrendt hat in dem Buch sein eigenes Lebenskonzept aufgeschrieben. Aufgewachsen in Brasilien stieg er zum Vorstand bei der PR-Agentur Fischer-Appelt auf. „Ich habe den Fehler gemacht, meine Familie der Arbeit unterzuordnen. So etwas kann nicht gut gehen.“ Eine Ehe ging in die Brüche, „da habe ich selber einen großen Anteil dran.“ Also wurde der Job downgesized, heute ist er bei Fischer-Appelt als Senior Advisor tätig, hat dort alle Freiheiten, aber nicht mehr die Last der Verantwortung.

„Eigentlich bin ich immer gut drauf, schlechte Laune gibt es bei mir nicht.“ Genau das strahlt Frank Behrendt auch im Gespräch aus. Gut gelaunt haben wir uns verabschiedet, das Buch, was er mir in die Hand drückte, habe ich am selben Abend verschlungen – ab jetzt will ich noch gelassener durchs Leben gehen. Obs klappt?

Die zehn Thesen des Frank Behrendt

  1. Mach dir jeden Morgen noch mal klar, dass wir im Job nur Monopoly für Erwachsene spielen. Egal, was wir hier machen oder nicht machen – die Welt dreht sich weiter. Deshalb sollten wir uns bei aller Ernsthaftigkeit selbst nicht zu wichtig nehmen.
  2. Schaff dir Atempausen während des Arbeitstags. Audiobook im Auto hören statt rumzutelefonieren, im Flieger Bestseller auf dem Kindle lesen statt die letzte Sales-Statistik.
  3. Nichts begeistert mich mehr als meine Familie. Deshalb lieber den letzten Flieger oder den Nachtzug zurück nach Hause nehmen, anstatt im Hotel zu übernachten. Das Frühstück mit denen, die wirklich wichtig sind, ist unbezahlbar und der beste Start in den neuen Tag.
  4. Abendessen mit Geschäftspartnern minimieren. Es gibt abends nix zu besprechen, was man nicht auch beim Lunch erledigen kann. Statt Business-Dinner lieber ins Kino mit der Gattin, Kicker mit den Kids vorm Einschlafen spielen oder entspannt Fußball auf Sky schauen.
  5. Hol dir den Happiness-Kick von früher zurück. Fast jeder hat in der Kindheit glückliche Momente erlebt. Wenn Mama die Lieblingsspielzeuge inzwischen verschenkt hat – hol sie dir auf Ebay. Das Matchboxauto von damals auf dem Schreibtisch lässt einen jede noch so langweilige Telefonkonferenz spielerisch überstehen.
  6. Ruf an den eher spaßbefreiten Tagen einfach mal spontan ehemalige Lieblingskollegen an, die heute woanders sind. Das amüsante Telefonat über die besten Anekdoten von früher macht auch einen grauen Tag direkt heller.
  7. Geh mal mit Leuten zum Mittagessen, die auf den ersten Blick keine Business-Relevanz haben. Der gechillte Talk mit dem Schülerpraktikanten über seine Lieblinge auf YouTube bringt oft mehr als der traditionelle Larifari-Lunch mit dem Key-Account-Manager eines Dienstleisters, der dich wieder mal zum Essen einladen möchte, um sich auszutauschen.
  8. Lösch die Abwesenheitsnotiz auf deinem Mail-Account. Ich finde es stressiger, vor dem Urlaub Übergaben zu machen und nach Rückkehr wieder alles aufzuarbeiten. Unter der Palme im Urlaub zweimal täglich Mails zu checken und die wichtigen weiterzuleiten oder kurz zu beantworten, ist kein Ding, wenn man das Phone dann wieder in den Safe legt und an den Strand geht. Ab- und Umschalten kann man trainieren – und zwar im Kopf, nicht am Gerät.
  9. Mein Kürzel lautet fb und nicht cc. Befrei dich vom Informationswahn. Vertrau den Mitarbeitern und lasse dich von ihnen lieber regelmäßig persönlich updaten. Das ist effizienter und gibt im Face-to-Face auch Raum für die wichtigste interne Währung: ein Lob.
  10. Liebe deine Familie, deine Freunde, dich selbst und das Leben. Aber nie deinen Job.

buch

 

 

Von | 2016-10-17T12:01:31+00:00 19. September 2016|Kategorien: Allgemein, Job, Meinung, Psychologie|Tags: , , , |

4 Kommentare

  1. Sandra 19. September 2016 um 11:11 Uhr- Antworten

    Das ist wirklich ein sehr interessanter Beitrag. Danke dafür!

  2. Petra 19. September 2016 um 11:28 Uhr- Antworten

    Lieben kann man ja wohl nur Menschen und nicht einen Job. Da kann man sich engagieren, aber Liebe ist ja ein Gefühl!

  3. Boris 19. September 2016 um 16:58 Uhr- Antworten

    Danke für den Blogbeitrag. Das hat mich wirklich neugierig gemacht, habe mir das Buch gleich besorgt, kann man nur empfehlen!

  4. Oliver Stehmann 8. Oktober 2016 um 9:46 Uhr- Antworten

    Toller Blogbeitrag. Danke für den Tipp!

Hinterlassen Sie einen Kommentar