Organspende – nur eine Frage des Gewissens?

„Wer der Spender war habe ich nie erfahren, doch durch ihn bin ich heute ein neuer Mensch. Ich denke jeden Tag an Ihn und es gibt keine Worte, mit denen ich meine Dankbarkeit für diese zweite Chance ausdrücken könnte.“ Mit diesem Zitat der Empfängerin eines Spenderherzens beginnen wir diesen Blogbeitrag – natürlich ganz subjektiv.

Und noch eine Tatsache: 11.200 Deutsche warten derzeit auf ein neues Organ. Drei von ihnen sterben jeden Tag. Warum? Innerhalb von drei Monaten werden in Deutschland nur etwa 800 Organe gespendet, Tendenz radikal sinkend. Die Lücke ist unübersehbar. Sind wir etwa ein Volk von Egoisten? So einfach ist das Thema nicht abzuhandeln.

Ist Hirntot wirklich tot?

„Hast du eigentlich einen Spenderausweis?“, fragte mich neulich jemand. Nee, hatte ich nicht. „Warum eigentlich nicht?“ – gute Frage. Ich bin dann mal in mich gegangen. Wirklich Gedanken hatte ich mir nie gemacht. Man stellt sich dann vor, die Niere wird entnommen, das Herz oder die Leber. Komischer Gedanke, aber man merkt’s ja nicht. Wirklich nicht? „Das Problem ist nämlich, dass Du bei der Organentnahme nicht tot bist, nicht tot sein darfst, denn Organe von wirklich Toten sind unbrauchbar“, erzählen die Einen. Oder man findet einen Erlebnisbericht mit dem Titel „Bis auf den Grund des Ozeans: Sechs Jahre galt ich als hirntot. Aber ich bekam alles mit.“ Dann gibt es noch die Organspender-Lobby, die alles an Organen verhökern soll, was nur zu bekommen sei. Das hört sich alles schon ein wenig gruselig an.

Wem kann man als Organspender glauben?

Wenn man sich vorstelle, man liegt in einer Klinik und bangt Tag für Tag, dass man ein Spenderorgan bekommt – auch das hört sich sehr grausam an. Jedem Organspender wäre man dankbar, tot ist tot – warum kann man nicht einfach Organe nehmen, wenn jemand tot ist? Das ist genau die Kernfrage – ist hirntot wirklich tot? Merkt man was? Die Ärzte sagen ganz klar nein. Aber glaubt man den Ärzten? Da sind wir wieder bei den Organspenderskandalen – werde ich Opfer einer Organmafia? Wollen die mich überhaupt am Leben halten oder sind die nur scharf auf die Organe?

Organspende als Akt der Nächstenliebe

Organspende ist ein Akt der Nächstenliebe, sagen die Befürworter. Organspender retten Leben. Und das ganz uneigennützig, denn im Sarg brauchen sie ihre Organe nicht mehr. Nur beantwortet niemand die Frage, sind Hirntote wirklich tot? Wir als Krankenversicherer haben neuerdings die gesetzliche Auflage, alle Versicherten, die das 16. Lebensjahr vollendet haben, über das Thema Organspende zu informieren. Wir sollen ihnen insbesondere Aufklärungsmaterial, Organspendeausweise sowie Hinweise auf qualifizierte Ansprechpartner zukommen lassen.

Ich bin hin- und hergerissen. Der Ausweis liegt in der Schublade. Unterschrieben ist er noch nicht.

Weitere Informationen:

By | 2016-10-17T12:01:47+00:00 19. November 2013|Categories: Blog, Meinung|Tags: , |

Ein Kommentar

  1. […] Organ­spende – nur eine Frage des Gewis­sens? Man soll Men­schen zu nichts drän­gen, ich fände es aber gut, wenn jeder sich ent­schei­den müsste. Mei­net­we­gen auch gegen eine Organ­spende, aber die­ses „Ich beschäf­tige mich damit nicht, denn ich lebe ewig“ dient nie­man­dem. Denn wie gemein ist es, den geschock­ten Hin­ter­blie­be­nen diese schwere Ent­schei­dung auf­zu­bür­den? Eben. (Dis­clo­sure: Die Gothaer ist eines der Unter­neh­men, die mei­nem Arbeit­ge­ber Geld zah­len, der mir dann monat­lich Geld bezahlt. Des­we­gen ver­linke ich die­sen Bei­trag aller­dings nicht.) […]

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