Pokémon Go – ein überflüssiger Hype?

Beim neuesten Smartphone-Spiel von Nintendo scheiden sich die Geister: Die einen feiern „augmented reality (AR)“ für jedermann, die anderen sind genervt und peinlich berührt von Pokémon fangenden Erwachsenen. Wir stellen euch dazu zwei Stimmen aus unserem Kommunikations-Team vor. Den Anfang macht die Pokémon-Kritik:

Jedes Pokémon ist eines zu viel

Auch wenn ich mich nun vielleicht unbeliebt mache, aber ich finde, Pokémon Go geht gar nicht. Man ist doch keine zwölf mehr. Während meiner Schulzeit haben ein paar Jungs diese Pokémon-Karten gesammelt, deren Funktion sich mir schon damals nicht erschlossen hat. Mit den Videospielen und der TV-Serie beziehungsweise den Kinofilmen konnte ich auch überhaupt nichts anfangen. Und nun gibt es im digitalen Zeitalter das Spiel fürs Smartphone – gut für Nintendo, schlecht für Nicht-Mitspieler. Denn das Spiel ist wie ein Virus, das Kinder, Jugendliche und sogar Erwachsene ansteckt und lange nicht mehr loslässt.

Soweit ich das verstanden habe, ist man in dem Spiel Pokétrainer und muss diverse Pokémon „einfangen“, die sich in Stadt und Land an bestimmten Orten aufhalten beziehungsweise dort zufällig auftauchen. Die Spielumgebung basiert dabei auf den Google Maps Karten, in denen die Position des Spielers per GPS verortet wird. Man trifft also nur auf neue Pokémon, wenn man sich in der Umgebung bewegt. An Ort und Stelle können die Biester dann mit den sogenannten Pokebällen abgeworfen und somit eingefangen werden. Mit den gesammelten Pokémon kann man schließlich in einer Arena gegen andere Trainer antreten und seine Wesen aufeinander loslassen. Der Hahnenkampf des 21. Jahrhunderts quasi.

Die App hat inzwischen schon mehr Nutzer als Twitter und die Nutzer verbringen mehr Zeit damit, als auf Facebook und Co. Survey Monkey spricht von 21 Millionen Nutzer alleine in den USA. In Deutschland spielt laut des Computerverbandes Bitkom jeder fünfte. Doch im Zuge der Euphorie kam es auch schon zu diversen gefährlichen Zwischenfällen oder sogar Unfällen der Spieler. Vor allem im Straßenverkehr führte das Handy-Game schon mehrfach zu Unfällen, in Kalifornien stürzten außerdem zwei Männer von der Klippe und verletzten sich schwer.

 

Dont Pokemon and drive

Quelle: imgur, http://imgur.com/k7iJ9xT

 

Problematisch sind auch Spieler, die sich unbewusst in militärisches Sperrgebiet oder Truppenübungsplätze, wie dem in der Lüneburger Heide, begeben, um dort Pokémon zu fangen. Ungünstig und vor allem lebensgefährlich, wenn gerade eine Übung mit scharfer Munition stattfindet. Fakt ist, wenn man sich bei einem Spiel aus Unachtsamkeit selbst gefährdet, hört der Spaß auf. So sehen das auch zwei Drittel der Befragten der Bitkom-Umfrage, die nicht selbst spielen. Ein weiteres Problem sind die sogenannten No-Go-Areas. Dazu zählen nicht nur die erwähnten militärischen Gebiete, sondern auch sensible Orte wie Gedenkstätten für den Holocaust, Atombombenopfer oder Nationalfriedhöfe wie der amerikanische Arlington-Friedhof.

Wegen Massen an Pokétrainern werden inzwischen sogar öffentlich Plätze gesperrt, wie eine Brücke in Düsseldorf. Diese liegt an der Kö und ist bei den Fabelwesen offensichtlich recht beliebt. Weil die Spieler den Gehweg und sogar teilweise die Fahrbahn blockierten, wird die Brücke nun bei hohem Andrang der Fans gesperrt. Die Stadt ließ sogar Dixie-Toiletten und weitere Mülltonnen aufstellen. Aber ist das nicht ein wenig zu viel des Guten? Muss man den Wahnsinn auch noch ermuntern?

Als erwachsener Mensch wäre mir das außerdem viel zu peinlich, mit meinem Handy wahllos durch die Gegend wandernd gesehen zu werden. Weil das offenbar anderen auch so geht, sind plötzlich Hunde aus dem Tierheim sehr beliebt. Während man mit ihnen Gassi geht, muss man sich ja sozusagen die Zeit vertreiben und kann völlig legitim auf sein Handy schauen. Zwar freuen sich Hund und Tierheim, aber das ist ganz schön viel Aufwand für ein Handy-Spiel.

Letztendlich ist die Idee der Spielemacher ja nicht schlecht, aber ich bin der Meinung, dass man nicht jedem digitalen Hype hinterherlaufen muss, vor allem nicht mit dem Handy in der Hand.

 

PS: Wie ist das eigentlich beim Spielen mit der Versicherung? Wo man aufpassen muss und welche Versicherung eventuelle Schäden übernimmt, erfahrt ihr beim GDV.

 

Morgen lest ihr in Teil 2, was Ellen von Pokémon Go hält. Was meint ihr denn dazu? Seid ihr begeisterte Pokétrainer oder ist euch der ganze Spuk ziemlich egal?

By | 2016-10-17T12:01:33+00:00 2. August 2016|Categories: Allgemein, Meinung, Trends, Unterwegs|Tags: , , , , |

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