Keine Zeit fürs Rentnerleben?

Da freut man sich ein Leben lang. Endlich nicht mehr ins Büro oder an die Werkbank, ausschlafen, machen was man will und wann man es will – so oder ähnlich muss das Rentnerleben aussehen. Jetzt hat es einen Kollegen erwischt, und er muss sich erstmal daran gewöhnen. Wie ich ihn kenne, möchte er gerne weiter arbeiten, darf das aber nur sehr eingeschränkt. Warum? Gesetze halt. Aber muss das so sein? Irgendwann steht man ja selbst an diesem Punkt. Vielleicht hat die gesellschaftliche Lage sich bis dahin auch gewandelt. Anzeichen dafür gibt es zumindest.

Was ist erlaubt?

Erst einmal: Was geht überhaupt? Am einfachsten liegt der Fall bei Rentnern, die die Regelaltersgrenze erreicht haben. Die liegt derzeit bei 65 Jahren und zwei Monaten und wird schrittweise auf 67 Jahre angehoben. Danach darf man soviel dazuverdienen, wie man will. Für diejenigen, die jünger als 65 Jahre sind, gelten bestimmte Zuverdienstgrenzen. Wer eine volle Altersrente bezieht, aber das Rentenalter noch nicht erreicht hat, darf nur 450 Euro im Monat dazuverdienen. Liegt der Verdienst darüber, wird die Rente gekürzt: je nach Höhe des Zuverdienstes um ein Drittel, um die Hälfte oder um zwei Drittel. Seit dem Jahr 2000 ist die Zahl der Ruheständler mit einem Minijob um knapp 60 Prozent, knapp die Hälfte davon ist über 75 Jahre alt.

Wollen oder müssen?

Da stellt sich gleich die Frage – wollen die das oder müssen die das? Befasst man sich mit der Flut der Rentenkürzungen und der Explosion der Mietpreise, kommt man schnell auf den Schluss: sie müssen. Bei sehr vielen Rentnern wird das leider so sein. Doch das ist nicht bei allen der Fall. Da schreibt der Stern über Helga Weyhe, mit 90 Jahren die älteste Buchhändlerin Deutschlands. Sie liebt ihren Beruf, schnappt sich oft den Gehstock und bringt Kunden in Laufnähe die Bücher nach Hause. Drei Bremer Senioren finden den Ruhestand langweilig und haben einen „Senior Service“ ins Leben gerufen. Sie beraten junge Unternehmensgründer – ehrenamtlich.

Arbeit – ihr Wert wird erst klar, wenn man sie nicht mehr hat

Der Kern der Sache liegt wohl am ehesten in der Psyche. Altersforscherin Ursula Staudinger von der Jacobs University Bremen sagt dazu: „Oft wird erst klar, wie wichtig die Arbeit war, wenn man nicht mehr arbeitet.“ Viele Senioren engagieren sich ehrenamtlich. Gerade hier ist ein enorm wachsender Bedarf – wir werden uns im Blog demnächst ausführlich damit beschäftigen. Dazu gehört auch das Thema der flexiblen Altersgrenze, auch hier kann man sich verschiedene Modelle vorstellen. So könnte man einen Zeitkorridor von zehn Jahren vorgeben, in dem man ohne Rentenabschlag oder –Zuschlag aufhören kann. Vermutlich würde sich das für die Rentenversicherung rechnen.

Übrigens – meinen Kollegen konnten wir auch beruhigen. Er macht als freier Mitarbeiter weiter, mit der komfortablen Option wann, wo und so oft er will. Wir haben das ja hier im Blog schon mal diskutiert.

Weitere Informationen:

Wieviel darf man dazuverdienen?

Immer mehr Rentner arbeiten

Die älteste Buchhändlerin Deutschlands

Senioren-Karriere

Von | 2016-10-17T12:01:43+00:00 27. Mai 2014|Kategorien: Blog, Gothaer|Tags: , , , , , |

2 Kommentare

  1. Matthias Stender 28. Mai 2014 um 12:44 Uhr- Antworten

    Man sollte freiwillig gehen können, wann man will. Die ganzen Regularien in Deutschland verhindern leider so viel.

  2. Klemens Surmann
    Klemens Surmann 28. Mai 2014 um 16:05 Uhr- Antworten

    Hallo Matthias, irgendeine Regel wird man dann auch benötigen, aber Du hast schonrRecht, das könnte die Situation deutlich entspannen.

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