Sterben in Deutschland – Todgeweiht und abgeschoben?

Sterben gehört zum Leben. Trotzdem ist der Tod eines der letzten Tabuthemen in unserer Gesellschaft. Es gibt aber auch Menschen und Einrichtungen, die sich mit diesem Thema beschäftigen und anderen eine würdevolle Begleitung bis zur letzten Sekunde ermöglichen. Meist ist es eine unheilbare Krankheit, die das gesamte Leben durcheinander wirft und auch das gesamte Umfeld vor Fragen stellt, denen alle bisher am liebsten ausgewichen sind.  Der Tod kommt in absehbarer Zeit – wie sieht es dann mit der Versorgung aus?

Hospizversorgung

Da ist zunächst einmal das Stichwort Hospiz. Laut Wikipedia ist Hospiz (lat. hospitium „Herberge“) eine Einrichtung der Sterbebegleitung. Was sich so nüchtern anhört, stellt für Sterbende eine Heimat für die letzte Zeit des Lebens dar. Schaut man sich ein Hospiz an, ändert sich dieses nüchterne Bild schnell. So lädt beispielsweise das Hospiz St. Hedwig der Alexianer in Köln-Rondorf regelmäßig zum Tag der offenen Tür ein. Wer das Hospiz betritt, staunt. Die Einrichtung ist gemütlich, im Wohnraum steht ein großer Kamin. Ein weitläufiger Garten lädt zu Spaziergängen ein, die Atmosphäre ist  heiter, freundlich und normal. Maximal 10 Gäste, wie die Sterbenden hier genannt werden, können aufgenommen und rund um die Uhr betreut werden. Dazu zählen neben medizinischer Versorgung Gespräche, Spaziergänge und einfach menschliche Nähe. Auch die Angehörigen werden in dieser schweren Zeit entsprechend betreut. Oft helfen Ehrenamtler, die mit dem Tod in ihrer engsten Umgebung schon einmal konfrontiert wurden und hier das weitergeben wollen, was sie selber erlebt haben.

Pallativversorgung

Ein weiteres Stichwort in dem Zusammenhang ist die Pallativversorgung. Nach Definition der World Health Organization (WHO) ist die Palliative Pflege ein Ansatz zur Verbesserung der Lebensqualität von Patienten und ihren Familien, die mit Problemen konfrontiert sind, die mit einer lebensbedrohlichen Erkrankung einhergehe. Die Hauptaufgabe der Palliativ Pflege beschränkt sich nicht nur auf das Vorbeugen und Lindern von Leiden, durch frühzeitiges Erkennen, Einschätzen und Behandeln von Schmerzen, sondern es wird gleichzeitig versucht auf die Bedürfnisse und Wünsche der Betroffenen einzugehen, um ihnen die bestmögliche Versorgung am Lebensende bieten zu können. Hierfür arbeiten Fachärzte und Pflegedienste mit anderen Berufsgruppen wie Seelsorgern, Sozialarbeitern oder Psychologen zusammen.

Versorgung zuhause

Zu den häufig geäußerten Wünschen gehört der Wunsch, bis zum Lebensende zu Hause oder im vertrauten Umfeld bleiben zu können. Dies zu ermöglichen, ist eine der wesentlichen Aufgaben der ambulanten Hospizdienste. Eine tragende Säule der ambulanten Hospizarbeit ist der Dienst ehrenamtlicher Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. In der psychosozialen Begleitung der Betroffenen übernehmen diese nicht nur einen unverzichtbaren Beitrag in deren Begleitung, sondern tragen wesentlich dazu bei, dass sich in unserer Gesellschaft ein Wandel im Umgang mit schwerstkranken und sterbenden Menschen vollzieht. Die Begleitung und Unterstützung endet nicht mit dem Tod, sie wird auf Wunsch der Angehörigen in der Zeit der Trauer weitergeführt. Während eine Palliativstation Teil eines Krankenhauses ist und über diagnostische und therapeutische Möglichkeiten verfügt, ist das Hospizzentrum eine eigenständige Einrichtung, in der Patienten aufgenommen werden, für die ein Krankenhausaufenthalt nicht oder nicht mehr notwendig ist.

Wer übernimmt die Kosten?

Der gesellschaftliche Bewusstseinswandel lässt die Nachfrage nach entsprechenden Leistungen explodieren. Gab es 1996 nur 30 stationäre Hospize und 28 Palliativstationen, waren es 2011 bereits 195 stationäre Hospize und 231 Palliativstationen. Da es für viele Patienten der größte Wunsch ist, bis zum Lebensende zu Hause oder im gewohnten Umfeld zu bleiben, gibt es derzeit über 1500 ambulante Einrichtungen, die genau das ermöglichen. Eine solche umfassende Versorgung kostet Geld. Abgesehen von den eigenen finanziellen Möglichkeiten hat jeder Versicherte in Deutschland einen Anspruch auf spezialisierte ambulante Palliativ- sowie Hospizversorgung. Für gesetzlich Versicherte werden die Kosten weitestgehend von der Krankenkasse bzw. der Pflegeversicherung übernommen. Etwa 10% der Kosten muss das Hospiz bei einem stationären Aufenthalt selber –meist aus Spendenmitteln- erbringen.

Bei privat krankenversicherten Patienten sieht die Situation etwas anders aus: ein Rechtsanspruch auf Leistungen sowohl im Zusammenhang mit einer Palliativ- als auch mit einer Hospizversorgung ist bei den meisten Versicherern nicht in den Versicherungsbedingungen verankert. Unabhängig davon werden die Kosten von vielen Versicherern oft auf Kulanzbasis übernommen. Wer sich darauf nicht verlassen will, sollte sich für eine Gesellschaft entscheiden, welche entsprechende Leistungen in ihren Vertragsbedingungen garantiert. Einige Gesellschaften bieten Tarife an, welche eine entsprechende Versorgung beinhalten.

Weitere Informationen

Wer sich intensiver mit dem Thema beschäftigen möchte, kann sich umfassend im Internet informieren. Bietet ein Hospiz einen Tag der offenen Tür, sollte man die Gelegenheit nutzen. Hier einige Informationsquellen:

Hospiz St. Hedwig Köln:
http://www.alexianer-koeln.de/unsere_angebote/weitere_angebote/hospiz/

Deutscher Hospiz- und Pallativverband:
http://www.dhpv.de/themen_hospiz-palliativ_palliative-pflege.html

Privat Versicherte:
http://www.gothaer.de/de/zg/pk/pk_p/krankenvollversicherung/krankenvollversicherungen-ueberblick.htm
http://www.dgpalliativmedizin.de/images/stories/2013-06-06_PM_Kosten%C3%BCbernahme_von_SAPV-Leistungen_bei_PKV_1.1.pdf

Informationsportale:
http://www.palliativ-portal.de/start
http://www.dgpalliativmedizin.de/
http://www.palliativzentrum-vs.de/palliativmedizin/unterschiede-zu-hospiz/

Von | 2016-10-17T12:01:50+00:00 28. Juni 2013|Kategorien: Blog|Tags: , , |

3 Kommentare

  1. Iris 3. Juli 2013 um 18:24 Uhr- Antworten

    Der Bericht hat mir sehr gefallen. Ich finde es sehr mutig, dieses Thema aufzugreifen. Die Art, wie darüber informiert und berichtet wird, ist sehr einfühlsam. Hut ab!

  2. Peter 7. Juli 2013 um 12:47 Uhr- Antworten

    Kein leicht verdauliches Thema, aber leider nun mal Bestandteil unseres Daseins. Sehr schön geschrieben.

  3. […] 3. Am erfolgreichsten waren die Blogbeiträge “Aus dem Büro ins Wohnzimmer – Vom Schadensregulierer zum RTL-Versicherungsdetektiv” und “Sterben in Deutschland – Todgeweiht und abgeschoben?”  […]

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