Beste Absichten im neuen Jahr: Mit Nachdruck ohne Vorsätze

Mehr Sport, weniger Alkohol, keine Zigaretten, netter zu den Mitmenschen, besseres Zeitmanagement…die Liste der Vorsätze für das neue Jahr ist bei vielen Menschen lang. Aber warum haben eigentlich so viele diese guten Absichten? Psychologen schreiben das einem Wunsch nach Kontrolle über unser Leben zu. Dabei geht es nicht um den tatsächlichen Einfluss, sondern uns reicht schon das Gefühl, dass wir etwas ändern könnten – wenn wir nur wollten.

Von Vorsätzen und Gewohnheiten

Oft hat man auch das Gefühl, gute Vorsätze gehörten zu einem rechtschaffenem Leben einfach dazu. Wer keine hat, ist faul, unflexibel und vergangenheitsorientiert? Nicht unbedingt. Denn Gewohnheiten – ob gute oder schlechte – haben durchaus einen Nutzen: Ohne sie wäre unser Gehirn vom Alltag und den unzähligen Entscheidungen, die sekündlich getroffen werden müssen, überfordert. Zwischen 30 du 50 Prozent unseres Alltags werden durch gewohnte Tätigkeiten bestimmt: Routinen. Gewohnheiten sind quasi ein „Energiesparmodus“ in unserem Kopf. So haben wir mehr Ressourcen für die wirklich wichtigen Entscheidungen. Aber diese Unbewusstheit, macht es auch so schwierig, mit schlechten Gewohnheiten zu brechen: Laut einer englischen Studie halten nämlich 88 Prozent ihre Vorsätze nicht ein. Grund dafür ist oft, dass sich die meisten zu viele oder zu hohe Ziele stecken.

Lebensänderung – sanft oder radikal?

Von heute auf morgen sein Leben zu ändern und mit alten Gewohnheiten zu brechen das klappt weder am 1.1. noch an einem anderen Tag. Wandel benötigt die Zeit. Die Psychologen planen meist in einem Zeitraum durchschnittlich 66 Tagen ein, bis ein neues ein altes Muster abgelöst hat. Wichtig dabei ist, den Kontext zu ändern, in dem das Verhalten stattfindet, denn Routinen sind meist an bestimmte Situationen oder Stimmungen geknüpft. Isst man Süßigkeiten wenn man sich alleine fühlt, könnte ein erster Schritt sein, stattdessen einen Freund anzurufen. Auch Belohnungen sind relevant für den Änderungsprozess. Ein Zettel, auf dem regelmäßig Häkchen gemacht werden, zeigt den Fortschritt an. Nach zehn Haken gibt es dann natürlich eine kleine Belohnung. Auch der sanfte Zwang, ausgerechnet an Silvester sein Leben zu ändern, macht aus psychologischer Sicht wenig Sinn. Die sogenannten „teachable moments“, also wenn der Mensch aufnahmefähig für neue Verhaltensmuster ist, finden meist im Rahmen von größeren Lebenseinschnitten statt, wie zum Beispiel Jobwechsel, Trennungen oder einem Umzug. Der Kontext ändert sich, der Mensch muss sich neu orientieren und ist deshalb offen für Input. Wer etwas an sich oder seinem Leben ändern möchte, sollte das am besten in so einem Moment tun.

Zu guter Letzt: Viele Menschen fühlen sich durch Freunde oder Familie unter Druck gesetzt, etwas am eigenen Leben zu ändern. Doch oft unterscheiden sich die Lebensentwürfe der anderen von den eigenen. Silvester kann daher auch eine gute Gelegenheit sein, sich klarzumachen, wie man selbst sein Leben gestalten möchte und seine Potentiale nutzen kann. Wer Joggen langweilig oder anstrengend findet, dennoch aber etwas für seine Fitness tun möchte, könnte zum Beispiel mit einer Tanzsportart anfangen. Menschen mit einem schlechten Zeitmanagement sollten sich überlegen, ob sie sich nicht generell zu viel zumuten. Wichtig ist eine realistische Einschätzung seiner Kraft und seines Durchhaltewillens.

Und entgegen der Gewohnheit hier noch einmal in Kürze durchs Thema:

– Gewohnheiten (auch schlechte) helfen unserem Gehirn, Kraft für die wirklich wichtigen Dinge zu haben
– Wer das Gefühl hat, etwas ändern zu müssen, sollte sich überlegen, warum und ob diese Änderung zu seinem Lebensentwurf passt
– Dabei sollte man die Ziele realistisch halten und sich nicht zu viel auf einmal vornehmen
– Um neue Gewohnheiten zu etablieren, benötigt man mindestens 66 Tage
– Wichtig dabei ist es, den Kontext zu ändern, in der die alten Gewohnheiten stattfanden
– Silvester ist eigentlich kein günstiger Zeitpunkt für Änderungen, sinnvoller wären Lebenseinschnitte wie Jobwechsel, Umzüge, Trennungen oder ähnliches.

Weiterführende Links:

Warum wir die guten Vorsätze nicht halten
Tricks für Neujahrsvorsätze
Raus aus der Routine
Mach es anders

Von | 2016-10-17T12:01:36+00:00 5. Januar 2016|Kategorien: Allgemein, Job, Psychologie|Tags: , , |

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