Wahrscheinlich hast Du es auch schon einmal gehört: „Ein Glas Sekt zum Anstoßen, das kann doch nicht schaden“ – und so konsumieren laut der Studie „Gesundheit in Deutschland Aktuell“ (GEDA) 14,4 bis 30 Prozent wissentlich Schwangere Alkohol. Schaden tut es aber doch…

 

Ein Gläschen Wein mehr – vor allem in Zeiten der Pandemie ein verführerischer Gedanke, dem viele nachgeben, wem kann man es verübeln. Allerdings: Wenn Ihr schwanger seid, gibt es hier kein Pardon. Nach Schätzungen der Drogenbeauftragten der Bundesregierung kommen jährlich 10.000 Babys mit alkoholbedingten Schäden zur Welt. Zusammengefasst werden diese Schäden unter dem Oberbegriff Fetal Alcohol Spectrum Disorder (FASD) oder auf Deutsch: Fetale Alkoholspektrumstörung.

Lange Zeit hat es kein Bewusstsein über die Gefahr von Alkoholkonsum während der Schwangerschaft gegeben und noch immer wird das Thema bagatellisiert und tabuisiert, wodurch keine offene Kommunikation stattfinden kann und konnte. Dies ist sicherlich zu Teilen der Grund dafür, warum FASD so spät entdeckt wurde. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurden erstmals typisch faciale und kognitive Auffälligkeiten als Folge von Alkoholkonsum während der Schwangerschaft eingeordnet.

 

Wie wirkt der Alkohol auf den Embryo?

Da die kritischen Schwangerschaftsphasen für einzelne Körperteile und Organanlagen sich zeitlich unterscheiden, hängen die möglichen Fehlbildungen beim Kind stark vom Zeitpunkt der Alkoholeinwirkung ab. Je nach Entwicklungsstadium des Embryos bzw. Fetus können bei Alkoholexposition also unterschiedliche Arten von Schäden entstehen.

Festzuhalten ist, dass aufgrund der Unreife der Leber des Embryos der Alkohol entweder gar nicht oder nur sehr langsam abgebaut werden kann. Somit befindet sich dieser wesentlich länger im Kreislauf des Embryos als in dem der Konsumentin. Er kann zur Fehlbildung von Organen, beispielsweise dem Herzen, führen und das Wachstum hemmen. Eine weitere mögliche Wirkung ist die Beschädigung neuronaler Zellen, was zu einer geringen Hirnmasse führen kann. Häufig betroffen sind hier Exekutivfunktionen, wie Kontrollmechanismen. Darunter fallen Selbstregulation, Zeitmanagement und die Planung von Tätigkeiten, aber auch die Selbstregulation und die Fokussierung von Aufmerksamkeit.

Oftmals beeinträchtigt der Alkohol die Entwicklung der rechten Gehirnhälfte, dem emotionalen Gehirn, wodurch sozio-emotionale Fähigkeiten eingeschränkt werden. Betroffene haben oft Probleme mit der Regulierung und Verarbeitung von Emotionen, was zu Stimmungsschwankungen, Wutanfällen oder aber Distanzlosigkeit führen kann.

Das Vollbild der Störung und Schäden wird mit dem Begriff Fetales Alkoholsyndrom (FAS) beschrieben. Nach bisherigem Forschungsstand entsteht dieses durch Alkoholkonsum innerhalb der ersten Schwangerschaftswochen. Der Alkohol verhindert, dass sich das Kind im Mutterleib normal entwickeln kann. Die körperlichen Auffälligkeiten äußern sich vor allem im Gesicht durch eine schmale Oberlippe, kleine „Stupsnasen“ mit kurzem Nasenbein und kurze Lidspalten. Da der Alkohol das zentrale Nervensystem angreift, sind die Folgen für das Gehirn am schlimmsten und es kommt zu Defiziten in den Bereichen der Motorik und Koordination, Planungsvermögen, Lern- und Merkfähigkeit und zu Konzentrationsproblemen.

 

Es gibt ein klares Störungsbild – was macht die Diagnostizierung so schwierig?

 FASD hat eine hohe gesellschaftliche Relevanz, ist jedoch in der Öffentlichkeit, wie dem sozialen und medizinischen Versorgungssystem nicht ausreichend bekannt und beachtet. Nebst FAS gibt es weitere Kategorisierungen des Spektrums, welche jeweils unterschiedliche Ausprägungen haben. Außer dem Vollbild FAS existieren jedoch noch keine eindeutigen Diagnosekriterien. So ist vielen Kindern äußerlich nichts anzusehen. Auch können sie über einen durchschnittlichen IQ verfügen – trotzdem zeigen sich Verhaltensauffälligkeiten. Dadurch fällt es schwer das Ausmaß der Beeinträchtigung zu begreifen. Hinzu kommt, dass es kein lineares Verhältnis zwischen Menge des Alkohols und Ausmaß der Störung gibt – so können selbst geringe Mengen an Alkohol zu körperlichen und geistigen Behinderungen führen, welche Betroffene ihr Leben lang begleiten.

Des Weiteren überschneidet sich FASD mit weiteren Störungsbildern. Beispielsweise ADHS aufgrund der motorischen Unruhe und den Aufmerksamkeitsschwierigkeiten, oder aber Autismus, da Betroffene Probleme mit der Interaktion und mangelnde Empathiefähigkeiten haben können.

 

Wir als Gothaer unterstützen euch, gesund zu bleiben. Im Falle eines Falles sind wir für euch da und sorgen für die beste mögliche Versorgung. Hier können wir Euch nur auf diese leider oft unterschätzte Gefahr hinweisen und eine Buchempfehlung aussprechen, um tiefergehendes Verständnis in das Leben mit FASD zu gewinnen: Ich, das Kind aus der Schnapsflasche von Grit Wagner.

Und zum Ausklang der Tipp: Es gibt auch leckere Cocktails ohne Alkohol: https://www.koch-mit.de/kueche/alkoholfreie-cocktails/  Lasst es Euch schmecken und bleibt gesund!