Was macht ein Künstler, der jahrelang auf eine Ausstellung hingearbeitet hat und jetzt vor den Corona-Scherben steht? Alles in den Keller stellen und einfach warten? Oder eine Online-Ausstellung organisieren? Reiner Maria Matysik war ganz anders kreativ und hat sich an die Gothaer gewandt. Es gibt sie noch, die freudige Überraschung beim Öffnen der Emails. So geschehen am 2. April. Absender ist der Künstler Reiner Maria Matysik. Mein alter Künstlerfreund meldete sich anlässlich seiner aktuellen Ausstellung „Komm, nimm mich“, die zur Zeit hinter verschlossenen Türen ihr publikumsloses Dasein fristen muss. Die Eröffnung Mitte März musste wegen Covid-19 abgesagt werden und somit reiht sich die Kunsthalle Wilhelmshaven ein in die Schicksalskette der Museen. Was gibt es Schlimmeres für einen Künstler, der eine Ausstellung hat und keiner geht hin. Für Museen gilt das gleiche, kein Publikum bedeutet, keine Aufmerksamkeit, keine Presse, keinen Austausch.

Raus aus der Quarantäne – für die Kunstwerke

Was tun? Diskutiert wurde die Option, die Ausstellung online zu stellen mit einem virtuellen Rundgang. Das machen aber alle und wie der Titel der Ausstellung schon vermuten lässt, sind einige Skulpturen zum Anfassen, eine Erfahrung, die man eben nicht virtuell vermitteln kann. Was tun? Reiner kam auf die Idee, die Kunstwerke aus ihrer Quarantäne zu befreien mittels einer Take-Away-Show. Das Konzept hierfür haben die Leiterin der Kunsthalle, Petra Stegmann, und der Künstler erstellt. Je ein Kunstobjekt wird an eine Person ausgeliehen und zieht in das private Umfeld des ansonsten öffentlichen Besuchers. Die ersten Objekte sind schon bei ihren ‚Paten‘ gelandet. Ohne Versicherung ist ein solches Projekt nicht denkbar und so wurde ich gefragt, ob wir hier eine Lösung anbieten können. Konnte ich: Wir haben alles spontan unter Dach und Fach gebracht. Eine Presseinformation gab es dazu in Wilhelmshaven, die Resonanz war riesig, die Presse berichtete begeistert – gerade in der jetzigen Stillstandzeit eine Aktion, die zeigt, dass Kreativität in Kunst- und Kultur auch analog umsetzbar ist. Die ersten Leihverträge sind bereits unterschrieben, während der Ostertage fanden die ersten Vorbereitungen statt und bald werden die Objekte von Reiner Maria Matysik in temporärer Patenschaft ein neues Zuhause bekommen.

Ich werde weiter berichten, denn für mein Homeoffice habe ich natürlich auch schon eine Ausleihanfrage gestellt.

Kunst in der Krise Teil 2 – angekommen

Kunst in der Krise Teil 3 – die Installation im Homeoffice

Reiner Maria Matysik bei arte